Handwerk & Kunst
Bekleidung Männer

Frauenkleidung & -Trachtenmoden

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„Ein römisches Heer wurde mit seinen Feldzeichen 400 Meilen vom Rhein bis zum Fluss Elbe geführt, der durch das Gebiet der Semnonen und Hermunduren fließt.“

„Einer der Barbaren, ein älterer Mann von stattlicher Größe und, wie seine Kleidung zeigte von hohem Rang, stieg in einen Nachen ( … ) und ruderte allein mit diesem Fahrzeug bis auf die Mitte des Flusses.“

Diese Begebenheit des Jahres 5 unserer Zeitrechnung ist durch die Aufzeichnungen „Historia Romana“ des Velleius Paterculus überliefert, welcher als Chronist und aktiver Zeitzeuge die Germanien-Feldzüge des Tiberius aufzeichnete, bei denen er offenbar selbst zugegen war.
Velleius Paterculus beschrieb die Germanen, wie seinerzeit üblich, in der Regel mit der typischen römischen Arroganz, herablassend als primitive Barbaren.
Nur selten spiegeln seine Darstellungen Respekt gegenüber den Barbaren oder gar eine gewisse Hochachtung wider. Von der Erscheinung dieses älteren Semnonen allerdings scheint er ernsthaft beeindruckt gewesen zu sein, nicht zuletzt offenbar von dessen vergleichsweise prunkvoller Kleidung, die ihn zu Rückschlüssen auf dessen mutmaßlichen sozialen Status verführten.

Heute wie Damals kann nur vermutet werden, ob es sich um einen Vertreter des langobardischen oder semnonischen Kriegeradels, um einen spirituellen Würdenträger oder überhaupt um eine sozial herausstehende Persönlichkeit handelte. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die Semnonen des östlichen Elbufers aufgrund ihrer besonderen Stellung innerhalb der Sueben generell sozial hochstehend und/oder wohlhabend waren und diesen Umstand, nach „typisch germanischer Sitte“, auch in ihrer Tracht zu repräsentieren suchten.

Bis zum Ende des römischen Imperiums blieb „das heilige Land der Sueben“ zwischen Elbe und Oder „tabu“ und damit in so gut wie jeder Hinsicht weitestgehend unbekannt.
Ein Umstand, an dem sich in den letzten zweitausend Jahren so gut wie nichts geändert hat und in dessen Dunkel erst die Archäologie der letzten Jahrzehnte allmählich erhellt.

Insgesamt dürfte sich die Bekleidungsmode der Semnonen kaum von derjenigen anderer zeitgenössischer Germanenstämme unterschieden haben.
Jedenfalls kann innerhalb der suebischen Stämme eine enge Verwandtschaft der Trachtenmode angenommen werden.
Diese werden erstaunlich präzise in den Reliefs der sogenannten Markussäule in Rom beschrieben, einer Siegessäule zu Ehren des Kaisers Mark Aurel. Auf dieser sind Sequenzen aus den so genannten Markomannenkriegen dargestellt, in welche hauptsächlich die suebischen Stämme des Südens, nämlich die Markomannen und Quaden, sowie neben weiteren suebischen Kriegsscharen auch Ostgermanen und sarmatische Stämme involviert waren.

Sowohl von den Markomannen, als auch von den Quaden wissen wir, dass sie trotz ihrer jeweils immensen Größe und Macht auch im ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhundert noch in direktem Kontakt und zumindest gegenseitigem Einfluss mit den Semnonen der suebischen Urheimat standen.
Demzufolge darf aus den Darstellungen suebischer Frauen und Männer der präzise gearbeiteten Reliefs der Markussäule wohl auf die Trachtenmode aller zeitgenössischer suebischer Stämme geschlussfolgert werden, wenngleich es durchaus regionale Unterschiede in Webmuster- oder Farbwahl gegeben haben mag.

Beide Darstellungen, also die von Paterculus, als auch die detaillierten Reliefs der Markussäule widersprechen dem sonst von antiken, meist römischen Chronisten und Künstlern gezeichneten Bild vom Aussehen der Germanen.
Im Regelfall begegnen uns dort sowohl Frau, als auch Mann, spärlich bekleidet, die germanische Frau gern mit entblößter Brust, wie auch der Mann mit zumindest nacktem Oberkörper.
Hier haben wir es im Grunde mit situationsbezogenen Darstellungen, wie „Frau in Trauer“ oder „Mann im Kampf“ zu tun, welche keinesfalls als Spiegel germanischer Bekleidung und Trachtenmode taugen.
Dennoch haben diese Darstellungen maßgeblich zum bis heute existenten Image des kulturell primitiven germanischen Menschen am Beginn der Zeitrechnung beigetragen.

Leider konnte auch die Archäologie im Bereich Bekleidung und Trachtenmode nicht viel Erhellendes beitragen, woran vor allem die bei den Semnonen über viele Jahrhunderte hinweg praktizierte Sitte der Feuerbestattung Schuld trägt.
Doch auch wenn die Grabungsforschung für den fraglichen Zeitraum in unserer Region keinen Komplettbefund anzubieten vermag, so liefert sie dennoch wertvolle Indizien, die verglichen mit zeitgenössischen germanischen Funden anderer Regionen, sowie der antiken Quellenlage, durchaus zu einem Gesamtbild formen lassen.

So verhält es sich übrigens in so gut wie allen Bereichen der Germanenforschung, doch nicht immer ist ein derart geformtes Gesamtbild dann auch wirklich der Weisheit letzter Schluss und, bezogen auf die germanische Kleidung, die Summe aller (zuordbaren) Funde und Quellen nicht zwangsläufig auch „die Trachtenmode“ der entsprechenden Zeit und Region.
Hier liefern oftmals gänzlich artfremde Wissenschaftszweige oder schlicht und ergreifend Logik die fehlenden Glieder zur Kette.
Ich will dies an einem Beispiel aus dem Bereich Bekleidung erläutern, den Schuhen.

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      • Peblos, bzw. peblosähnliches Sommerkleid, welches in der kalten Jahreszeit als Überkleid getragen und an den Schultern mit Fibeln zusammengehalten wurde.
      • Tunikaähnliches langes Unterkleid, welches eventuell im Alltag mit Schürze als Hauskleid getragen wurde.
      • Mantel, Schultertuch, Cape oder Pelzstola gehalten auf der Brust, mit einer weiteren Fibel oder einem anderen Verschluss.
      • Gürtel in unterschiedlicher Anzahl, um die Bekleidung zusammen zu halten und diverse Gegenstände des täglichen Bedarfs daran unterzubringen.
      • Gewebte oder genähte Strümpfe, eventuell auch Wickel, die mit Bändern oder entsprechenden Schließen gehalten wurden.
      • Ein Paar Sommerschuhe, wie zum Beispiel durchbrochene Bund- oder Halbschuhe, sowie ein Paar, der Witterung entsprechenden Winterschuhe, vermutlich knöchelhoch oder höher.
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„Typisch für die Frauentracht war ein ärmelloses langes Gewand von hemdartigem Schnitt, das an den Schultern durch Fibeln zusammengehalten werden konnte. Dieses hübsche faltenreiche Kleid hatten einen betonten Ausschnitt und wurde unter der Brust gegürtet. Durch Raffung des Stoffes um die Hüften entstand ein tunikaartiger Überfall, der stark an den antiken „Peplos-Typ“ erinnert. Untergewänder, Blusen und Halstücher ergänzten die Kleidung. Wie Tacitus berichtet, trugen die Frauen häufiger eine Leinenkleidung als die Männer (Germ. 17). Beweise hierfür haben sich allerdings nicht erhalten. So läßt sich auch eine Leinenunterkleidung bisher nicht nachweisen. Die Wollkleidung ist mit Leinenfädchen zusammengenäht.“ A. Leube (Die Germanen/Akademie-Verlag der DDR)

Diese Einschätzung beschreibt die Basiselemente der Frauentracht zur römischen Kaiserzeit. Um aber einen Einblick in das modische Verständnis der germanischen Frau zu erlangen, empfiehlt es sich etwas ins Detail zu gehen und die verschiedenen Trachtbestandteile der germ. Frauentracht zu o.g. Zeit zu beschreiben (nach Friedrich Giesler).

Der Peplos

Das bekannteste antike Kleidungsstück der Frau ist zweifellos der Peplos. Dabei handelt es sich um ein Kleidungsstück, welches in der Regel in dieser Form gewebt war. Die germanische Frau trug den Peplos indem sie ihn an den Schultern mit Fibeln nach der stammesüblichen Fibelmode zusammenhielt, durch weitere Fibeln verschiedene Raffungen mit individuellem Faltenwurf erzeugte und durch spezielle Gürtung das entstandene Kleid in verschiedener Weise bauschte. Gern wurde der Peplos im oberen Bereich bis zu einem Viertel umgeschlagen.

In römischen Darstellungen um den Beginn der Zeitrechnung herum wird die germanische Frau vereinzelt in Peplosartigen Kleidern gezeigt, welche eine Brust frei lassen, wie beispielsweise die Darstellung der „trauernden Germanin“, eine Statue von der man annimmt, dass sie die nach Rom entführte Frau des Cheruskerführers Arminius, Thusnelda, zeigt.

Diese Art der Frauenmode ist sonst nur für die nordische Bronzezeit belegt, die zeitlich jedoch über 500 Jahre vor den erwähnten römischen Darstellungen liegt. Ob die römischen Künstler auf diese Weise versuchten, den Germaninnen eine Primitivität oder Verruchtheit anzudichten oder ob es sich ernsthaft um eine über Jahrhunderte überlieferte Variante einer germanischen Frauentracht handelt entzieht sich leider unserer Kenntnis.

Der Chiton

Der enge Chiton

Dies ist ein aus zwei rechteckigen Stoffbahnen zusammengenähtes Kleid mit Öffnungen für Kopf und Arme, welches durch spezielle Gürtung und Raffung durch div. Fibelmoden individuelles Aussehen erhält.

Der weite Chiton

Im Gegensatz zum so genannten engen Chiton ist der weite Chiton ein überdimensioniertes, zylindrisches Kleidungsstück. Weiter unterscheidet dieses vom Vorgenannten, dass eine Abgrenzung von Kopf- und Armlöchern durch Vernähen nicht zwangsläufig zu sein scheint, sondern auch an der Oberseite gänzlich offen auftrat und ähnlich wie beim Peplos auf den Armen und Schultern mit Fibeln zusammengehalten wurde.

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Tragweise des ubischen Chitons (weiter Chiton)/nach Friedrich Giesler

Nach F. Giesler liegt die Besonderhei der frühen germanischen Frauentracht, bzw. der Überkleider, also in der Bauschung der Kleider, wodurch diese sich teilweise von anderen antiken Frauenkleidern unterscheiden.
Die germanische Frau trug den Bausch offenbar nicht, wie fälschlicherweise auf einigen Darstellungen zu sehen ist, in der Körpermitte, sondern Körperbetonter, von der Hüfte abwärts, etwa in Höhe der Unterschenkel. Dies konnte zum Beispiel dadurch erreicht werden, dass das Gewand bis zur doppelte Länge der Körpergröße bemessen und mit zwei übereinander liegenden Gürteln gerafft wurde.

Einige Besonderheiten im Ensemble der germanischen Frauentrachten sind uns nur durch antike Darstellungen erhalten geblieben, wie zum Beispiel die „losen Ärmel“ der Frauentrachten auf der sogenannten Marcussäule in Rom.

Ob dieses Kleidungsstück nun zu einer regionalen germanischen Trachtensitte oder zu einer überregionalen Mode des 2. Jahrhunderts gehörte und ob es dann eher ein schmückende oder ein praktische Accessoire für die Übergangszeiten zwischen Sommer und Winter gewesen ist, lässt sich heute leider genausowenig feststellen wie Material, Farbe und eventuelle Verzierung.
Ob und wie die Ärmel an der Kleidung befestigt wurden, ist ebenfalls nicht bekannt.
Festzustellen ist lediglich, dass es sich bei den Ärmeln offenbar um Trachtenbestandteile handelt, die ärmellosen Frauengewändern zugehörig sind.

Andere Darstellungen wieder zeigen auch Frauengewänder mit langen Ärmeln, welche jedoch durchaus zum Untergewand gehören können.

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Die Kleider bestanden sowohl aus Wolle, als auch aus gewebtem Leinen, wobei wohl Kleidertyp und/oder Jahreszeit eine Rolle bei der Auswahl spielten.
Die diversen Muster, die zu dieser Zeit modisch aktuell waren sind leider von den antiken Bildhauern nicht dargestellt worden, wohl aus technischen Gründen, doch darf mit gutem Recht angenommen werden, dass auch und gerade bei den Kleidern der Frauen alle Register gezogen wurden. Das heißt, getragen wurden sowohl einfarbige, gefärbte Stoffe, als auch solche mit den üblichen Webmustern: Karo, Streifen, Raute, Fischgrad, Schachbrett, usw.
Weiters kamen verschiedene Arten der Verzierung zum Einsatz, wie Stickmuster und eingewebte oder aufgesetzte Borten.
Bei der Verzierung von Kragen und Säumen, neben der nachgewiesenen Verwendung der „hängenden Dreiecke“, eines typischen Keramikdekors, ist auch die Verwendung der ebenso obligatorischen Mäanderverzierungen der semnonischen Gebrauchs- und Sakral-Keramik, wie Treppenmäander, T-Mäander oder Swastika-Mäander denkbar.

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Blusen und Hemden (siehe auch „Chamisia“)

Der Fund einer kurzen Bluse aus Dätgen, Kreis Rendsburg unterstreicht die Vielfalt an Kleidungsstilen auch in der germanischen Frauentracht, welche sich vor allem mit der ausgehenden römischen Kaiserzeit abzeichnet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde diese Bluse in Kombination mit einem Rock getragen. Solche Kombinationen sind, vor allem in Norddeutschland und Dänemark immer wieder gefunden wurden.

Eine solche Kombination kennen wir z. B. aus Loenne Hede in Dänemark. Die dort, anhand des Fibelbefunds und der erhaltenen Textilfragmente lässt folgende Rekonstruktion zu: Die Bluse scheint ähnlich dem Peblos aus einem Stoffschlauch bestanden zu haben, welche an beiden Schultern mit Fibeln zusammengehalten wurden. Eventuelle Ärmel ließen sich nicht mehr rekonstruieren. In der Taille wurde die Bluse vermutlich mit einem Gürtel gebunden.

Andere Rekonstruktionen ergaben Blusen mit halblangen Ärmeln, solche die in einem Stück gewebt waren, andere waren im Rücken durch Nähte geschlossen.

Wie auch alle anderen Bestandteile, waren auch die Blusen der germanischen Frauentracht nicht selten verziert. So konnten z.B. Zierstiche am Halsausschnitt, sowie div. Stickereien nachgewiesen werden.

Die Chamisia (das Hemd, hier „Unterhemd“)

Dieses tunikaartige Kleidungstück kennen wir auch von der germanischen Männertracht her, doch lassen sich bezüglich der Länge bei der Chamisia der Frauentracht keine genauen Angaben machen, da sich keine Rückschlüsse aus Funden oder entsprechenden Darstellungen ziehen lassen.
Man kann davon ausgehen, dass es sich um ein Mehrzweckkleidungsstück gehandelt hat, welches sowohl im Alltag bei der Hausarbeit, als auch während des Winters als Untergewand unter dem Peplos getragen wurde.
Die Chamisia scheint nach aktuellem Kenntnisstand auch das einzige Kleidungsstück des germanischen Frauengewandes dieser Zeit gewesen zu sein, welches ausschließlich in der germanischen Trachtenmode vorkommt, während alle folgenden Trachtenbestandteile in ähnlicher oder abgewandelter Form auch im südlichen und westlichen Europa bekannt waren und getragen wurden.

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Kleider verschiedener germ. Frauentrachten zur röm. Kaiserzeit/nach Friedrich Giesler

Der Rock

„Kurze Wollröcke gehörten möglicherweise zur Jungmädchentracht. So fand man im Ruchmoor bei Damendorf, Kr. Eckernförde, ein nur 30cm langes Stück, mit kleinen Schlaufen am oberen Rocksaum und Knoten zur Befestigung von Schulterträgern. Man trug zu diesen Röcken unter anderem kleinere Pelzumhänge.“
A. Leube (Die Germanen/Akademie-Verlag)

Die Röcke der germanischen Frauentracht waren sowohl aus Wollstoff, als auch aus Leinenstoff gefertigt. Leider verfällt Leinen wesentlich schneller als Wollstoff, weswegen Textilfunde aus Leinen relativ selten sind.

Die Tradition des Tragens kurzer Röcke unter noch nicht erwachsenen germanischen Mädchen hat seinen Ursprung mit hoher Wahrscheinlichkeit in den vor- und frühgermanischen Kulturen der Bronzezeit, für die selbiger Brauch ebenfalls belegt ist.

Auch der lange Rock mit reichem Faltenwurf, von einem dünnen Gürtel, bzw. einer Kordel in Form und am Körper gehalten scheint sich als Trachtenbestandteil für die erwachsene Frau bis in die spätgermanische Zeit erhalten zu haben. Auch hier wurden spezielle Faltenwürfe mit diversen Zierfibeln und Nadeln erzielt.

Wie Funde aus Norddeutschland zeigen, waren die Röcke nicht selten verziert, z.B. mit Zierborten und Schmuckbändern in Brettchenwebtechnik, wie der Woll-Wickelrock aus Silkeborg/DK, aus dem 1. Jahrhundert. Dieser Rock verfügte außerdem über einen Tunneldurchzug mit Kordel und wurde in Kniehöhe mit einer Bronzenadel fixiert. Es kann angenommen werden, dass, ähnlich wie bei der Hose, auch an Röcken Gürteldurchzüge befestigt waren, in welchen ein Gürtel den Rock in Position hielt.

Aus Damendorf, Kr. Eckernförde ist ein Rock bekannt, der aus einer Tuchbahn von 85cm x 210cm geschneidert worden war. Ebenfalls in Damendorf liegt der Fundort eines Minirockes, welcher mit einer Pelzstola aufgefunden wurde.

Der Rock in der germanischen Frauentracht war wohl meist mit einer kurzen Bluse kombiniert.

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Untergewänder

Das auch und gerade für die Untergewänder der Frau vorzugsweise feinere Leinenstoffe verwendet wurden, ist naheliegend. Doch genau dort liegt auch das Hauptproblem der germanischen Bekleidungsrecherche verborgen: Selbst in völkerwanderungszeitlichen und spätgermanischen Körpergräbern in denen sich Textilfragmente nachweisen ließen, sind diese in der Regel aus dem widerstandsfähigerem Wollgewebe, während das Leinengewebe meist komplett vergangen ist.
So lassen sich zu den Untergewändern der germanischen Frauentracht nur sehr unsichere Angaben machen.

Unterwäsche im modernen Sinn, wie Slips und BH hat es wohl nicht gegeben, aber wir können ziemlich sicher davon ausgehen, dass auch die germanische Frau sich aus hygienischen Gründen während der Menstruation durch eine Art Höschen und/oder diverse Einlagen schützte.
Ausserdem scheinen Brustwickel aus feinem Leinen verwendet worden zu sein, was vor allem bei großer Oberweite oder aber auch bei stillenden Müttern sinnvoll ist. Immerhin war ein schönes Kleid von erheblichem Wert und auch vor zweitausend Jahren schon beeinträchtigte häufiges Waschen die Qualität von Farben und Gewebe.

Vor allem während der Wintermonate waren bei Tätigkeiten ausserhalb des Hauses Unterröcke und andere Unterbekleidung unerlässlich.
Bei extrem tiefen Temperaturen könnten zusätzlich durch unter dem Kleid getragene Hosen, Beinlinge oder Wickel hilfreich gewesen sein.
In der späteren Kaiserzeit und frühen Völkerwanderungszeit kommen auch regelrechte Strümpfe in Mode.

Hosen

In antiken Darstellungen tragen auch die germanischen Frauen bisweilen Hosen, doch konnte archäologisch kein Gebrauch einer Hose durch germanische Frauen nachgewiesen werden. Eventuell handelt es sich um symbolhafte Gestalten oder Darstellungen von Amazonen.

Zur Völkerwanderungszeit kamen hosenähnliche Unterkleider, vor allem in der fränkischen Frauentracht in Mode. Inwieweit diese Beinkleider jedoch einen echten Hosencharakter hatten, kann hier nicht explizit wiedergegeben werden.

Schuhe und Beinkleid der Frau

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Um die Jahrtausendwende herum ähnelt der germanische Frauenschuh stark dem des Mannes.
Wenigstens von Frühjahr bis Herbst trug die Germanin flache Bundschuhe oder Halbschuhe. Sie waren in der Regel aus einem Stück Leder gefertigt und nicht selten mit aufwändigen Verzierungen, Durchbrüchen und Prägungen versehen. Die angewendeten Schnitt- und Punziertechniken geben Zeugnis von der Kunstfertigkeit und dem ästhetischen Verständnis der Handwerker.

Bisher scheint es keine Hinweise auf die Verwendung schmückender und/oder praktischer Metallapplikationen am Frauenschuh der Eisenzeit und der römischen Kaiserzeit zu geben. Ob, ähnlich wie bei Funden aus dem keltischen Raum, auch kleine Fibeln zum Verschließen höherer Schuhe verwendet wurden, ist ebenfalls unbekannt.

Es ist kaum anzunehmen, dass während des Winters die gleichen leichten Schühchen getragen wurden, weshalb von „schneesicheren“ Winterschuhen mit hohem Schaft oder gar Stiefeln auszugehen ist.

Spätestens zu Beginn der Völkerwanderungszeit kommen bei den germanischen Frauen regelrechte Strümpfe in Mode, welche von ledernen Wadenbindengarnituren in Position gehalten werden, die durchaus schmückenden Charakter hatten. Die Riemen besaßen Schnallen und Beschläge, die sowohl aus Knochen, Horn oder Eisen, aber auch aus Edelmetall wie Gold gefertigt sein konnten.

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Trachtbestandteil Gürtel

Eines der wichtigsten Bestandteile der Frauentracht war zu allen Zeiten der oder vielmehr die Gürtel.

Ähnlich wie die Kleidung des germanischen Mannes hatte auch die Frauentracht ein nach heutigen Maßstäben gravierendes Problem, es gab keine ein- oder aufgenähte Taschen an der Kleidung für all die nützlichen Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs.

Folglich mussten separate Taschen zur Alltags- und ebenso zur Festtagskleidung gehört haben.
Die bekannte Umhängetasche in welcher zum Beispiel auf Reisen Nahrungsmittel und ähnliches transportiert wurden, sind ähnlich wie Rückentragetaschen und -Gestelle kaum als Bestandteil der Tracht anzusehen.

Anders sieht es mit dem Gürtel aus, dem diesbezüglich wohl wichtigsten Kleidungsstück und/oder Trachtenbestandteil.
Der Gürtel war sowohl in Alltagskleidung als auch bei der Trachtenmode von Mann und Frau nicht nur unverzichtbares Accessoire um damit die Kleidung zusammen zu halten, sondern auch, um Beutel, Taschen und häufig benötigte kleine Werkzeuge und sonstige Gegenstände daran zu befestigen.
Natürlich hatte die „Hausfrau“ weniger Bedarf an „Transportmöglichkeiten“ als ein Händler oder Krieger, denn die Frau war an das Haus “gebunden“, ebenso wie das Haus an sie, denn nach germanischem Recht gehörte ihr das Haus, der Mann „zog dort nur ein“. Für sie gab es also verschiedene Unterbringungsmöglichkeiten für Alltagsgegenstände dort wo sie auch gebraucht wurden.

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Trotzdem empfahl es sich, damals vermutlich mehr als heute, einige im Alltag häufig benötigte Utensilien am Mann oder vielmehr an der Frau zu haben, um sie nicht erst umständlich in einer großen Tasche suchen oder gar erst zum Haus laufen zu müssen um diese zu holen.
Zu diesen Gegenständen gehört neben dem Arbeitsmesser zum Beispiel auch die Pinzette, die in der Regel als bloßer Teil des Hygienebestecks angesehen wird, aber im damaligen Alltag unverzichtbar war wenn es darum ging Splitter oder andere potentiell Infektionen auslösende Fremdkörper aus der Haut zu entfernen.
Diese wichtigen Kleinigkeiten mussten leicht und schnell erreichbar sein, weshalb sie auch direkt am Körper getragen wurden … und dies war vor allem am Gürtel möglich.

Folglich war der Gürtel behängt mit den verschiedensten Gegenständen, Taschen und Beuteln, deren Zusammenstellung je nach Anlass variieren konnte.

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Man kann davon ausgehen, dass es sich bei dem oder den zur Tracht gehörenden Gürtel(n), spätestens im Verlauf der Kaiserzeit, unter römischem Einfluß, um aufwändig gearbeitete Schmuckstücke mit schönen Schnallen, Zierbeschlägen, Aufhängern und Riemenzungen handelte.
Manche Funde lassen auf regelrechte Prunkgürtel schließen.

In jedem Fall kostete ein solches Accessoire die Besitzerin, ein für damalige Verhältnisse kleines Vermögen und es scheint kaum plausibel, dass die germanische Frau einen solchen Gürtel auch im Alltag, zur Arbeit trug, wo die Gefahr von Beschädigungen omnipräsent war.
Am Trachtengürtel befanden sich dann Utensilien, wie Geldbörse/beutel, Kamm und Zierrat mit schmückendem und/oder kultischem Charakter, wie Talismane, Schutzamulette und dergleichen.

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Also ist auch hier von mindestens zwei Garnituren auszugehen. Der „Alltagsgürtel“ muss allerdings kein „echter“ Gürtel gewesen sein, denkbar sind neben Hakengürteln auch einfachste Ausführungen, wie Kordeln, Bänder und dergleichen, welche eventuell gar gänzlich ohne Schließe auskamen.

In der Regel dürfte der Gürtel als Bestandteil der Tracht aus Leder gewesen sein, da dieses Material auch unter Beanspruchung den besten Halt gewährleistet und dabei kaum „ausleiert“.
Doch auch Stoffgürtel, z.B. aus „Brettchenborte“ sind durchaus denkbar, gerade im Zusammenhang mit der Peblos-Tracht. Die Abbinder für den spezifischen „Wurf“, unter der Brust, bzw. im Hüftbereich wären aus Stoff sicher bequemer zu tragen gewesen.
Der repräsentative Gürtel, welcher sichtbar über der Taille getragen wurde, war jedoch mit einiger Sicherheit zumeist aus Leder, zumindest weisen Zierelemente wie Riemenkappen, Beschlagbleche, Riemenzungen und Nietreste darauf hin.
Zumindest partiell scheinen auch Ketten als Gürtel oder Gürtelbestandteile getragen worden zu sein, allerdings fast ausschließlich im Zusammenhang mit Gürtelhaken.

Gürtelhaken

Für das Siedlungsgebiet der Semnonen sind während der frühen, eisenzeitlichen Perioden als Gürtelschließen vor allem Gürtelhaken nachweisbar, die in verschiedensten Konstruktionen, Größen und Ausführungen mit unterschiedlich breiten und langen Gürtelledern kombiniert wurden.

Diese Hakenschließen gehören zu den ältesten festen Schließen Europas überhaupt und sind seit der Bronzezeit bekannt. Es gab sie mit Dorn oder Haken, lose oder fest mit dem Gürtel verbunden, ein oder mehrteilig.

All die unterschiedlichen, oftmals kurzfristigen Moden unterworfenen Hakenformen und Gürtelarten zu beschreiben, würde diesen Rahmen allerdings sprengen.

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Schnallengürtel

Spätestens unter römischem Einfluß, also in den Jahrzehnten vor bis nach der Zeitrechnung, kamen unter den suebischen, bzw. elbgermanischen Stämmen verstärkt Schnallenschließen mit flexiblen Dorn und damit natürlich auch ebensolche Gürtelschnallen in Gebrauch.

Diverse Mischformen, also beispielsweise Schnallen mit festem Dorn, hielten sich noch bis in das Frühmittelalter hinein.
Im suebischen Einflußgebiet entwickelte sich jedoch schnell eine eigene spezielle Mode der Gürtelschnalle, die „Omega- oder Achterschnalle“, welche zwar in ähnlicher Form auch bei Römern und Kelten bekannt war, aber nur unter suebischem Einfluß derart kreativ ausgereizt wurde.

Schnallenlängen von über 10 cm und mehr waren keine Seltenheit. Mit dem, in der Regel verzierten, bzw. durchbrochenen Riemenblech wurden daraus häufig mehr als 15 cm.

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Doch auch die vermutlich an den römischen Militärgürtel angelehnten klassischen D-Schnallen wurden schnell aufgegriffen und „germanisiert“, was besonders ab dem Übergang von der Kaiserzeit zur sogenannten Völkerwanderungszeit zu üppigen Verzierungen und Prunkgürteln führte.

Auch diese wurden, wie die selten erhaltenen Schnallen- und Zierbleche zeigen, in die unterschiedlichst breiten Gürtelleder integriert.

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Kopfbedeckung & Haartracht

Sowohl die Haartrachten der germanischen Frauen, als auch die diversen Kopfbedeckungen, wie Haarnetze, Hauben, Schleier und Mützen, haben aufgrund der vielen regionalen Unterschiede in den vielen Jahrhunderten germanischer Trachtenmode eine unglaubliche Vielfalt hervorgebracht.

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Leider haben alle germanischen Kulturen mit Brandbestattung eines gemeinsam: Nichts bleibt zurück, was nicht aus massivem Metall gefertigt wurde. Textilien, Leder, aber auch feine Metallteile, wie Anhänger oder Zierbeschläge aus verschiedenen Blechen … die gesamte Kleidung verbrennt während des langandauernden Leichenbrandes bei hoher Temperatur.

Sollte jemals die Kopfbedeckung einer germanischen Frau irgendwo zutage gefördert werden, so wird sie vermutlich nur schwer als solche zu erkennen sein.

Also müssen wir uns auf antike Überlieferungen beschränken, wie sie beispielsweise römische Reliefs darstellen.

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Schlägt man eine Brücke, von der Antike zum deutlich besser dokumentierten Frühmitelalter, wo Körperbestattungen unter günsigen Bedingungen den Erhalt von Textilien möglich machen, so zeigt sich: Zu allen Zeiten trug die Germanin verschiedene Kopfbedeckungen, wie Tücher, geschmückte Bänder und ähnliches. Ob diese allerdings Trachtenbestandteile waren oder vielmehr praktischen Nutzen hatten, kann heute niemand mehr sagen.

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Umhang, Cape & Mantel

Sowohl Trachtenbestandteile, als auch zur Alltagskleidung gehörende Accessoires finden sich unter der Vielzahl der mantelartigen Überwürfe, derer es bei der Frau ausnahmsweise eine deutlich größere Palette gibt, als beim Mann, dessen Manteltuch dagegen schon fast DIN-genormt wirkt.

Bei der Frau dagegen finden wir von modischen Tüchern, über schwere Stoffe, bis hin zu Häuten als Nässeschutz, und natürlich Pelze oder pelzbesetzte Umhänge, eine ganze Palette an Überwürfen.
Diese hatten natürlich alle ihren besonderen Sinn oder Anlass, gemein war ihnen nur eines: Sie stellten das „i-Tüpfelchen“, die Abrundung oder Ergänzung der Kleidung dar.
Ihr Einsatz hing von verschiedenen Faktoren, wie der Witterung, dem Anlass und nicht zuletzt natürlich auch vom Wohlstand der Besitzerin ab.

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Leichte Stoffe wurden natürlich bevorzugt im Sommer getragen, während der nassen Jahreszeit eher wasserabweisende Materialien wie Leder oder Haut, welche die darunterliegende Kleidung vor Durchnässen schützen sollten und im Winter schützten dicke Wollstoffe und Fellkragen vor Kälte.

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Einige Neuerungen und Besonderheiten der germanischen Frauenbekleidung bilden sich gegen Ende der römischen Kaiserzeit heraus.

Zum Beispiel entwickelt sich aus dem Rundmantel der Frau, welcher vor der Brust mit einer Scheibenfibel geschlossen wurde, das „Mantelkleid“. Dieses als Überkleid getragene Kleidungsstück verfügt über lange Ärmel, ist relativ gerade geschnitten und an der Vorderseite offen, wird lediglich vor der Brust mit einer Fibel, einer Fibelkombination, bzw. einer Schlaufenkombination verschlossen und klappt von dort auseinander. Darunter wurde als Unterkleid eine wadenlange Tunika getragen, die an der Frontseite aufwändig verziert war.

Fibel & Fibeltracht

Wohl kaum ein Bereich des Bekleidungsthemas ist so übersichtlich und zugleich derart komplex und kompliziert wie die Geschichte der Fibel in der germanischen Frauentracht.
Übersichtlich deshalb, weil die Fibel aufgrund der häufigen modischen Anpassung auch kleinste Zeitfenster fassbar zu machen vermag, was bedeutet, dass sich anhand einer im Zusammenhang mit einer Grablegung vorgefundenen Fibel die Grablegung unter Umständen auf ein Jahrzehnt eingrenzen lässt.

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Genau hier liegt allerdings auch das „Problem“ beim Beschreiben dieses Themas: Es ist einfach zu umfangreich.
Allein die regionalen Unterschiede innerhalb der suebischen Kultgruppe können durchaus gravierend sein, welche dann auch noch alle paar Jahre modischen Anpassungen und Veränderungen unterworfen sind.

Weiterhin erschwerend kommt auch hier wieder die Sitte der Brandbestattung hinzu, bei welcher filigranere Metallteile, wie beispielsweise kleine Blechfibeln aus Edelmetall vergehen und deren Rückstände unter Umständen überhaupt nicht mehr in die Bestattung eingehen.

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Prinzipiell lässt sich jedoch bei der Fibeltracht der germanischen Frau sowohl zur Eisenzeit, als auch für die darauffolgende Römische Kaiserzeit grob von einer „Dreifibel-Tracht“ reden.
Dies meint die Kombination aus zwei, zumeist identischer „Kleider-, Schulter- oder Brustfibeln“ mit einer größeren oder kleineren Umhang- oder Mantelfibel.
Zu diesen können allerdings je nach Region, Zeitfenster und Trachtenmode noch verschiedene kleinere Zierfibeln auftreten, die entweder zu Schmuckzwecken an verschiedenen Stellen der Kleidung angebracht waren oder aber Trachtenbestandteile einer bestimmten Mode zusammenhielten.
Dies können beispielsweise kleine Ringfibeln sein, die die Wadenwickel halten oder Bügelfibeln, die irgendwo an der Gürtelgarnitur angebracht wurden.

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Da, wie gesagt, dieses Thema sehr umfangreich ist, empfehle ich zum Vertiefen das „Reallexikon der Germanischen Altertumskunde / Fibel und Fibeltracht“.

Sonstiger Schmuck & Accessoires

(IN ARBEIT)

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