Oktober & November 2018
Workshop: Gebrauchsgegenstände von Hand töpfern und anschließender Grubenbrand des Töpfergutes

Den wichtigsten Rohstoff der Menschen vor 2000 Jahren zu benennen dürfte sich einigermaßen schwierig gestalten, denn unsere germanischen Vorfahren benötigten und nutzten alle in ihrer Umgebung natürlich vorkommenden Roh- und Werkstoffe pflanzlichen, tierischen und mineralischen Ursprungs.
Unter den mineralischen Rohstoffen spielten, neben Lehmböden und diversen Metallerzen, ganz sicher die verschiedenen Tonerden eine Hauptrolle, denn Ton wurde vor allem zur Herstellung der stets und überall benötigten Haushaltskeramik verwendet.
Pro Jahr muss jede Familie erstaunliche Mengen an Ton verarbeitet haben, da jeder Haushalt nicht nur eine Vielzahl verschiedener Keramikgefäße und anderer aus Ton gefertigter Gegenstände benötigte, sondern diese zudem die ungünstige Eigenschaft besitzen, nicht besonders belastbar zu sein.
Das Repartoire reichte von kleinen Webgewichten und Öllampen über Teller, Tassen, Becher und Terrinen, bis hin zu über mannshohen Vorratsgefäßen für Getreide zum Beispiel. Auch gekocht wurde in der Regel in Tontöpfen, welche in eigens dafür hergestellten Vorrichtungen über das Feuer gehängt wurden.
Die Herstellung von Töpferwaren für den Hausgebrauch oblag denen die sie benötigten. Lediglich was mit eigenen Mitteln und eigenem Know How nicht angefertigt werden konnte, wie extrem große Keramik zum Beispiel oder auch die beliebte feine Drehscheibenkeramik mit der polierten schwarzschimmernden Oberfläche, musste entweder bei entsprechenden Fachleuten in Auftrag gegeben oder aber beim Händler erworben werden.
Ansonsten wurde alles, natürlich stets der aktuellen Mode entsprechend, selbst gefertigt. Wahrscheinlich wurde der talentierteste „Töpfer“ des Hofes mit dieser Aufgabe betraut, denn wie unser gemeinschaftlicher Selbstversuch zeigte, geht das Töpfern nicht allen Menschen gleich gut von der Hand. Vom Abbau der gewünschten Tonerde über das Abmagern und Herstellen der für das jeweilige Projekt am besten geeigneten Mischung, über den Aufbau des Gefäßes, der wie bereits angemerkt, in der Regel von Hand erfolgte, da kaum ein Hof über eine Drehscheibe verfügte, bis hin zum Brennen der Keramik lag der komplette Fertigungsprozess in der Hand des jeweiligen „Sippen-Töpfertalentes“. Das solche Begabungen und erlernten Fähigkeiten über kurz oder lang zu gewerblicher Spezialisierung führen, liegt auf der Hand.

Der erste Töpferkurs im historischen Dorf wurde durchgeführt unter der fachmännischen Leitung von Frau Bettinelli und erfreute sich reger Teilnahme. Gut zwanzig Anfänger versammelten sich bei bestem havelländischen Herbstwetter unter freiem Himmel und versuchten sich an den verschiedensten Gegenständen. Je nach Geschmack und Interessenlage wurden nicht nur verschiedene Gefäße und Öllampen nach historischem Vorbild gefertigt, sondern auch Kerzenständer und Schatullen für den Hausgebrauch und sogar Kokillen aus sogenanntem Schamott-Ton zum Gießen von Silber wurden hergestellt.

Nach dieser überaus erfolgreichen Debut-Veranstaltung war klar, dass Workshops wie dieser zukünftig zum festen Gannahall-Programm gehören werden.
Bei Interesse an einem Töpferkurs schreiben sie uns bitte über das Kontaktformular an.

Töpferkurse verschiedenster Art sind bei Frau Bettinelli aber auch außerhalb des historischen Dorfes buchbar, unter: www.bettinelli-erdlicht.com

Das Brennen in der Grube
Besonders heikel war, neben dem Umgang mit größeren noch ungebrannten Gefäßen, das Brennen derselben. Selbst wenn das gewünschte Produkt unfallfrei hergestellt worden war und auch die Einlagerung während der Vortrocknungsphase unbeschädigt überstanden hatte, konnte der kleinste Fehler beim Brennen das Gefäß unter Umständen derart beschädigen, dass es danach unbrauchbar war.
Da sich nur größere Ansiedlungen den Luxus großer, gemeinschaftlich genutzter Back- und Tonbrennöfen leisteten, mussten die kleinen Stückzahlen kleiner Siedlungen oder Einzelhöfe mit uralten, aber riskanten Methoden gebrannt werden, wie dem sogenannten Grubenbrand zum Beispiel, was wir ebenfalls einigermaßen zufriedenstellend erprobt haben.

Nach der Trocknungsphase der zu brennenden Keramik, die je nach Größe und Material zwischen einigen Tagen bis mehrere Wochen dauern kann und ohne die ein Brennen überhaupt nicht möglich wäre, wird in einer zweistufigen Grube von entsprechender Größe mittig ein Feuer entzündet. Auf der etwas erhöhten umlaufenden „Stufe“ am Rand der Grube wird das Brenngut für die zweite Trocknungsphase, bzw. das „Vorbrennen“ aufgebaut. Rund um die Brenngrube kann ein kleiner Wall aus der beim Aushub angefallenen Erde für eine Reflektion der Wärme sorgen. Nichtsdestotrotz sollte die Töpferware in regelmäßigen Abständen zusätzlich gedreht und gewendet werden, um für eine möglichst gleichmäßige Hitzeeinwirkung auf alle Bereiche der Gefäße zu sorgen.
Währenddessen wird die Hitze durch ein Vergrößern des Feuers auf dem Grund der Grube stetig gesteigert, wodurch auch dessen Umfang zunimmt, bis das Feuer schließlich nach mehreren Stunden die Stufe mit dem Brenngut erreicht. Zu diesem Zeitpunkt sollte alle Keramik vollständig durchtrocknet und vorgebrannt sein, also auch die für den nächsten Schritt erforderliche Festigkeit besitzen, denn nun weitet man das Feuer entweder auf die Stufe mit den Töpferwaren aus, bis diese vollständig von Feuer umgeben sind oder aber man setzt sie idealerweise in das mittlerweile beträchtliche Glutbett der unteren Ebene um. Was bis hierher ohne zu springen oder zu reißen überlebt hat, hat gute Chancen auch später seiner Bestimmung unbeschadet zugeführt zu werden.

Nun werden die Gegenstände vorsichtig mit Brennmaterial umgeben, so dass sie sich nun komplett „im Feuer“ befinden. Irgendwann kündet dann ein rotes Leuchten der Keramik von der gewünschten „Betriebstemperatur“, welche unsere Vorfahren in Ermangelung geeigneter Messgeräte schätzen mussten, wie auch der gesamte Brennvorgang nach Gefühl und Erfahrung beurteilt wurde.
Ist ausreichend Glut vorhanden, muss diese um die Gefäße aufgehäuft werden, bis diese vollständig in der Glut verschwunden sind.
Eine letzte Lage Brennmaterial kann vorsichtig aufgebracht werden und nach abbrennen derselben wird das Glutbett ebenso vorsichtig mit der ausgehobenen Erde bedeckt.
In diesem Zustand belässt man die abgedeckte Grube nun für einen oder mehrere Tage, bevor man sie öffnet und die fertig gebrannten Keramikartikel entnommen werden können.
Allerdings sollte man bei einem eingetieften und derart lange unterhaltenen Feuer, das Areal im Vorfeld dringend auf ein eventuelles Vorkommen brennbarer Erdschichten, wie zum Beispiel Torf, untersuchen.
Als bei unserem Grubenbrand, noch tagelang nach der Entnahme der gebrannten Gegenstände und dem nachfolgenden Ablöschen mit Wasser, immer noch Qualm aus dem Loch aufstieg, gruben wir in die Tiefe und stellten eine unterirdische Ausbreitung von Glutnestern fest, die sich in ein ca. 70 cm tiefer liegendes „Proto-Torf“, bestehend aus dem seit 200 Jahren verrottenden Bewuchs einer ehemaligen Sumpflandschaft gefressen hatten … trotz immenser Feuchtigkeit dieser Schichtwasserebene!
Die Ergebnisse jedoch, sowohl was die getöpferten Gegenstände, als auch den Brennvorgang angeht, übertrafen unsere Erwartungen bei Weitem.
Als nächstes Projekt in dieser Richtung werden wir einen zweistufigen Keramikbrennofen errichten und testen.

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September 2019
Gannahall-Kräuterführung

Heil-, Speise- & Würzkräuter erkennen, sammeln und zubereiten

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Pflanzen und deren Bedeutung für unsere Vorfahren
Unter den Pflanzen verehrten unsere Vorfahren zu Beginn der Zeitrechnung keinesfalls nur Bäume, sondern auch, nach unserer heutigen oberflächlichen Einschätzung, scheinbar unbedeutende, kleine Pflänzchen, wie Kräuter und Gräser.
Gerade das unscheinbare Grünzeug im Unterholz oder am Wegesrand spielte oftmals eine wichtige Rolle im Alltag der antiken Havelländer.
Die Semnonen lebten in und mit der Natur, die ihnen insgesamt als heilig galt, nicht zuletzt deswegen, weil sie die Menschen mit allem Notwendigen versorgte. Doch all das Grün um sie herum diente nicht nur als nachwachsender Rohstoff für diverses Baumaterial oder als Nahrung, sondern war von genereller Wichtigkeit für jeden Bereich des alltäglichen Lebens. Was die damalige Zeit diesbezüglich aber am deutlichsten von unserer Heutigen unterscheidet, ist die Rolle der Natur als universelle Apotheke.
In einer Zeit, als es noch keine Pharmaindustrie gab, welche die Menschen mit all den nützlichen und auch all den nutzlosen Medikamenten versorgte die heute erhältlich sind, war eine gute Kenntnis um die Heilwirkung der verschiedensten Pflanzen, sowie von deren bevorzugten Lebensräumen unerlässlich, konnte unter Umständen gar lebensrettend sein.
Teile vieler Pflanzen konnten zudem entweder als euphorisierendes oder aber auch als beruhigendes Rauschmittel verwendet werden, andere waren unentbehrlich als Würzpflanzen für die, eigentlich überhaupt nicht fade, germanische Küche.
Manche Pflanzen waren insgesamt – und sind es teilweise immer noch – echte „Allrounder“, die sowohl als Nahrungsquelle, als auch wegen ihrer Heilwirkung geschätzt wurden und zudem als unverzichtbarer Rohstofflieferant zur Herstellung verschiedenster Gebrauchsgegenstände.
Speise- und sonstige Nutzpflanzen, wie Heilkräuter oder solche Pflanzen, die Baumaterial lieferten, wurden sowohl in ihrer Wildform geerntet, als auch gezielt angebaut, was vor allem dort notwendig wurde, wo die jeweilige Pflanze natürlicherweise nicht vorkam.

Kräuterparadies Gannahall
Selbst den eher mäßig begabten Kräuterkundlern unter uns war von Anfang an die unglaubliche Fülle von Wildkräutern, vor allem was die sogenannten Heilkräuter angeht, auf unserem Gelände aufgefallen. Besonders der weiß- und blaublütige Beinwell, bekannt für seine spezielle Wirkung bei Knochen- und Gelenkverletzungen, stach sofort ins Auge.
Doch auch sonst bietet Gannahall so einiges aus der Apotheke der Natur. Neben dem obligatorischen Wegerich, Brenn- & Taubnessel, Scharfgarbe, Schachtelhalm, Labkraut und der echten Kamille, ließen sich von Experten noch eine Vielzahl mehr, allein an Heilpflanzen aufzählen.
Und um genau so eine Expertin handelt es sich bei Jutta Hannig, die im Verlauf des Jahres 2019 zu uns stieß und unsere anfängliche, über all die Probleme der vergangenen Jahre jedoch eingeschlafene Begeisterung für dieses Thema wieder reaktivierte.
Zudem haben wir ebenfalls in diesem Jahr nun endlich den lange geplanten ersten Kräutergarten auf der Südseite von Langhaus 1 angelegt, in welchem wir zunächst vor allem Speise- und Würzkräuter, aber auch einige Heilkräuter, wie die vor Ort nicht natürlich vorkommende Ringelblume, angebaut haben.
Dieses vorhandene Potential entfachte nicht nur neue Leidenschaft bei einigen unserer Mitglieder, sondern ließ zudem die Idee von regelrechten „Kräuter-Workshops“, mit Kräuterführung, Ernte und anschließender Zubereitung diverser, heute weitgehend in Vergessenheit geratener Speise-, Würz- und Heilkräuter direkt vor Ort, auf fruchtbaren Boden fallen.
Das Ende September kurzfristig geplante Debüt unter Leitung unserer Kräuterkundigen, bei der ich mich an dieser Stelle für ihr überaus bereicherndes Engagement bedanken möchte, war ohne viel öffentliche Werbung bestens frequentiert und zog hervorragende Resonanz nach sich. Alle Teilnehmer äußerten sich im Nachhinein begeistert über das Gelernte, sowie über die entspannte Atmosphäre, in welcher sowohl die eigentliche Führung, als auch die anschließende Tafel mit frisch zubereiteten Salaten und Deftigem vom Grill stattfanden.

Dieses Konzept werden wir im kommenden Jahr mit Sicherheit weiter ausbauen. Schön und sinnvoll wäre es, wenn es dem Jahreskreis folgend mehrere Führungen gäbe.
Wir jedenfalls sind diesbezüglich zuversichtlich und freuen uns jetzt schon auf Ihren Besuch.

Bei Interesse an einer Kräuterführung schreiben Sie uns bitte über unser Kontaktformular an.

Doch auch in Sachen Wellness ist Jutta Hannig ihre Ansprechpartnerin. Sie ist ausgebildete Gesundheitsberaterin, Massagetherapeutin und Yogalehrerin und schon seit vielen Jahren in diesen Bereichen selbständig tätig. Sie wollen sich informieren? Dann klicken Sie HIER.